Satirischer Stadtspaziergang: Probeölbohrungen in Karlsruhe

Im Rahmen des Aktionswochenendes „Energieversorgung in unsere Hände – Imperialismus abschaffen“, sind wir durch die Karlsruher Innenstadt gezogen um auf die Ölraffinerie an unserem Stadtrand aufmerksam zu machen.

Die MiRO Mineraloelraffinerie Oberrhein GmbH & Co. KG ist die zweitgrößte Erdölraffinerie in Deutschland. Die Rohölverarbeitungskapazität von 14,9 Mio Tonnen im Jahr macht den Standort zur zweitgrößten Erdölraffinerie hier zu Lande und das dazugehörige Tanklager zählt mit 730.000 m³ für Rohöl und 3,9 Mio m³ für die Fertigprodukte als das Größte. Um die Mengenverhältnisse besser einschätzen zu können: ca. jeder dritte Liter Benzin aus Deutschland stammt aus Karlsruhe.

Die Gesellschafter sind Shell, Deutschland Oil GmbH (32,25 %), Esso Deutschland GmbH (25 %), Rosneft Deutschland GmbH (24 %) und Phillips 66 Continental Holding GmbH (18,75 %). Das bedeutet diese Konzerne und deren Firmeneigentümer:innen bestimmen mit ihren Anteilen über das Geschehen in der MiRO.

Bei der Förderung von Rohöl werden Wälder gerodet und somit das Ökosystem in Ungleichgewicht gebracht, sowie das Leben zahlreicher bereits bedrohter Tier- und Pflanzenarten gefährdet und indigene Stämme unter Druck gesetzt ihren Lebensraum zu verlassen. Pro Jahr gelangen im Durchschnitt 100.000 Tonnen Öl ins Meer. Die Ursache davon sind verseuchte Flüsse, die ins Meer gelangen, Unfälle oder Lecks von Öltankern auf See oder durch defekte Bohrplattformen. Und damit haben wir uns bisher nur die Förderung oder Transportwege angeschaut und noch nicht die eigentliche Verbrennung oder die endgültigen Produkte.

Um Aufmerksamkeit auf diese imperialistische Ausbeutung zu lenken, haben wir uns eine satirische Aktion überlegt. So zogen wir als Vertreter:innen von Konzernen verkleidet durch die Karlsruher Innenstadt und sperrten an verschiedenen Orten Gebiete ab um „Probebohrungen“ durchzuführen. Nachdem die Absperrung vollendet, Schilder angebracht und der Bohrturm aufgestellt waren, sprach einer der Kapitalisten, ein Anteilseigner der MIRO und verkündete, dass hier bald ein paar „majestätische Ölturme“ stehen würden, die „wunderschöne Profite“ für ihn erzeugen können. Auch auf die Umweltverschmutzung wies unser Vertreter des fossilen Kapitals hin, und dass Schadensersatzansprüche aufgrund von Vertreibung und Enteignung ihm nichts anhaben werden. Danach wurde dem Kapitalisten das Megafon entrissen und auf die Zerstörung und das Elend hingewiesen, die durch Ölförderung entstehen und dass der Kapitalismus und dessen Wachstumstrieb die Katastrophe immer weiter anheizen werden. Zum Abschluss hinterließen wir noch eine Öllache am Turm um eine der Ölkatastrophen darzustellen.

Wir müssen unsere Energieversorgung unabhängig von fossilen Brennstoffen gestalten. Dafür müssen wir die Machenschaften der Konzerne aufdecken, diese entmachten und für eine Energieversorgung einstehen, die einen massiven Ausbau von erneuerbaren Energien unabhängig von Konzern- und Profitinteressen vorantreibt. Wir müssen es schaffen, den Bedarf an Energie zu reduzieren, dem Individualverkehr den Rücken zu kehren und Alternativen für Personenverkehr sowie Logistik schaffen. Allgemein ist es wichtig, dass wir erkennen, welche Produkte wir wirklich brauchen und unsere Produktion an unseren Bedürfnissen ausrichten und nicht an den Profiten einzelner.

Denn wir brauchen keine Scheinlösungen, die im Endeffekt nur im Geldbeutel der Kapitalist:innen spürbar werden, sondern Lösungen, die zu Klimagerechtigkeit und sozialer Teilhabe führen.

Weitere Eindrücke zum Aktionswochenende findet ihr auf unserem Instagram-Kanal @klimatreffen_ka

Erstelle deine Website mit WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das: